Viele Intensivstationen sind bereits an ihrer Grenze angekommen

Sönke Paulsen, Berlin

Am 22.12. fand eine Pressekonferenz mit der DIVI (der Vereinigung der Intensivmediziner) statt, über die auch hier berichtet werden sollte. Auffällig ist nämlich, dass es, im Vergleich zum Frühjahr, erhebliche Abweichungen in der Einschätzung der Ärzte gibt, wie viele Betten für beatmungspflichtige Covid-19 Patienten zur Verfügung stehen.

Während im Frühjahr noch eine Gesamtkapazität von Beatmungsplätzen angegeben wurde, die mit Reserven bei bis zu Fünfzigtausend lag, sind heute schon bei einer Gesamtbelegung von fünftausend beatmungspflichtigen Covid-Patienten, viele Intensivstationen an ihren Grenzen angelangt.

Das wurde in der Pressekonferenz auch konkret nachgefragt, warum seit Sommer die Zahl der Intensivplätze kontinuierlich sinkt. Als Antwort wurde wiederholt der Personalmangel auf deutschen Intensivstationen angegeben, der gerade in belasteten Regionen eine entscheidende Rolle spiele.

Dies wird von Ärzten auch vor Ort bestätigt, die teilweise schon mit einem Personalmix arbeiten müssen, in dem auch zunehmend Ärzte und Pflegepersonal auf den Intensivstationen eingesetzt werden müssen, die nur wenig Intensiverfahrung haben, bzw. nicht routinemäßig auf Intensivstationen arbeiten. Erwähnt werden konkret Schwestern, Pfleger und Ärzte aus dem operativen Bereich.

Während der Konferenz wurde auch erwähnt, dass die Zahl der beatmungspflichtigen Covid-Patienten in den nächsten Wochen noch steigen wird, was durchaus glaubwürdig ist.

Aus einer Klinik mit hohem Krankenstand beim Personal, ist mir bereits bekannt, dass die Aktivierung von Katastrophenplänen kurz bevor steht. Dies bedeutet, dass Personal aus dem Weihnachtsurlaub zurückgeholt wird und zugleich noch mehr fachfremdes Personal auf den betroffenen Isolationsstationen und in den Intensivbereichen eingesetzt werden muss.

Eine unbefriedigende Situation für alle, die vermutlich auch die Qualität der Behandlung beeinträchtigen kann.

Alle Intensivmediziner nicken zustimmen während der Pressekonferenz, als die Frage kommt, ob eine Triage-Situation in Deutschland vermieden werden muss. Dies sei aus Gründen der Menschlichkeit in jedem Fall zu vermeiden. Es wird auch von mehreren Medizinern erwähnt, dass Strafrechtler eine solche Triage-Entscheidung als rechtlich nicht gedeckt ansehen. Es kämen also in einer solchen Notsituation Strafverfahren auf die betroffenen Ärzte zu.

Das alles wissen die Menschen, die in den Krankenhäusern arbeiten und entsprechend schlecht ist die Stimmung. In einundzwanzig Regionen in Deutschland seien die Intensivstationen bereits voll belegt. Die Verlegung in Nachbarregionen und auch schon Fernverlegungen von Patienten nach dem sogenannten Kleeblattsystem finden bereits statt.

An dieser Stelle sollte man daher den Apell, sich möglichst nicht anzustecken, Kontakte zu vermeiden, die nicht im unmittelbaren familiären Umfeld stattfinden, den mehrere Intensivmediziner am Ende der Konferenz äußerten, unterstützen.

spaulsen

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